Nachwort
Wie war er? - mein Vater. Ich war drei Jahre alt, als meine Mutter ihn aussperrte. Von da an hörten wir Kinder von ihr, daß unser Vater ein Verbrecher sei und uns sexuell mißbraucht habe. Ich habe keine Erinnerung, weiß es nur aus der Erzählung meiner Mutter.

Woran ich mich erinnere ist, daß er noch Jahre später - ich ging längst zur Schule - manchmal vor unserem Haus stand. Meine Mutter scheuchte uns dann vom Fenster weg; wir durften auch nicht mit ihm telefonieren. Meine letzte Erinnerung ist, daß er weinend in seinem Auto saß und von der anderen Straßenseite zu mir herüberblickte. Wir Kinder haben lange um Papa geweint; wollten nicht glauben, daß er böse ist. Um unser Vergessen zu beschleunigen, hat meine Mutter ihn - in Form eines Bildes - vor den Augen meiner ältesten Schwester symbolisch verbrannt.

Jetzt habe ich sein Buch gelesen: �Unsere Kinder siehst DU nicht�. Ich habe erfahren, daß er sich gegen die Behauptung zur Wehr gesetzt und um das Sorgerecht für uns gestritten hat. Seither weiß ich, daß er sein Umgangsrecht wahrnehmen wollte, wenn er vor unserer Tür stand. Ich habe gelesen, daß die Gutachter keinen Hinweis auf einen sexuellen Mißbrauch fanden. Einer forderte das Gericht auf, in Erwägung zu ziehen, daß der Verdacht seitens der Mutter vorsätzlich falsch erhoben sein könnte.

Zehn Jahre hat er um uns gekämpft, seinen Beruf verloren, seine Gesundheit ruiniert; sein ganzes Leben war von dem Wunsch geprägt, uns wieder zu gewinnen. Kein Jugendamt, keine Staatsanwaltschaft und kein Gericht hat ihm geholfen; obwohl meine Mutter sein Umgangsrecht vereitelte, seine Briefe an uns unterschlug und den gerichtlichen Anordnungen nicht folgte. Immer hieß es, die Bindung der Kinder läge bei der Mutter, wir seien dem Vater entfremdet.

Mein Vater war einer von Vielen, die ihre Kinder durch die schlichte Äußerung eines Mißbrauchsverdachts verloren haben. Ein probates und völlig risikoloses Mittel, das Sorgerecht zu bekommen. Jetzt kann ich in der Gewißheit leben, daß ich mißbraucht worden bin - nicht sexuell und auch nicht von meinem Vater.

In Vertretng meiner jüngste Tochter,
Thomas Alteck