Die Aussage "er hat Anna missbrauch" war für mich zunächst unfass, weil keinerlei Bezug zur Realität bestand. Es hat Stunden gedauert, bis sie in mein Bewusstsein eingedrungen war und ich die Ungeheuerlichkeit begriff. Mir wurde von einer Sekunde auf die andere so schlecht, dass ich mich übergeben musste und zusammenbrach.
Neben vorsätzlicher Falschbehauptung kommt eine weitaus schlimmere Ursache in Frage, und zwar: Überzeugung. Über Jahrzehnte vollkommen verdrängte Erinnerungen an eigenen frühkindlichen sexuellen Missbrauch tauchen aus dem Unterbewusstsein auf. Angestossen dadurch, dass die eigene Tochter in das Alter kommt, in dem die Mutter missbraucht wurde. Diese Fragmente kommen aber aus Selbstschutz nicht bis an die Oberfläche. Die Erinnerungen werden auf eine andere Person projiziert. Dann ist die Mutter wahnhaft vom Missbrauchsgeschehen überzeugt.
Soziale Ausgrenzung, Jobverlust, körperliche und psychische Probleme, arbeitsunfähigkeit, Armut - Aufenthalt in Kliniken für Psychosomatik. Eventuell lebenslange Ahängigkeit von Beruhigungsmitteln, Aufenthalte in einer Psychiatrie oder Selbsttötung. Die Betroffenen, die ich durch mein Buch kennen gelernt habe, haben sich ausnahmslos innerhalb von 5 Jahren das Leben genommen - darum heißt es Rufmord!
Mit nur einem Elternteil aufzuwachsen ist nachteilig. Wird der abwesende Vater ständig diffamiert ist es schädlich, weil sich ein Kind als Produkt aus beiden Eltern versteht; ein Teil von ihm selbst daher schlecht sein muss. Noch schlimmer: In einer fingierten Opferrolle gross zu werden, hinterläßt die gleichen Schäden, wie tatsächlich Opfer zu sein.