PD Dr. Christian-Rainer Weisbach
Familie Alteck hat unsere Familie im Laufe der vergangenen zwei Jahre wiederholt besucht, zuletzt am 27. Oktober 1991. Das Verhalten der ältesten Tochter Anna habe ich in dieser Zeit als unverändert wahrgenommen; das Mädchen machte auf mich stets einen ausgesprochen lebendigen, extravertierten Eindruck. Dagegen nahm ich bei der jüngsten Tochter Yvonne einen extrem gehemmten, ans mutistische grenzenden Verhaltensausdruck wahr. Bei einem Gespräch mit Frau Alteck im Herbst 1991 wies ich sie auf meine Beobachtung hin und machte ihr deutlich, dass nach meiner Auffassung eine Entwicklungsstörung vorliege, die es zu behandeln gelte. Frau Alteck reagierte empört und brach das Gespräch ab. Bei folgenden Begegnungen mied sie den Gesprächskontakt mit mir.
Frau Alteck hat vor und während ihrer Eheberatung mehrfach mit mir Einzelgespräche über ihre Eheschwierigkeiten geführt. Mir fiel schon früh auf, wie wenig sie ihren eigenen Anteil an der Beziehungsproblematik zu reflektieren vermochte. Bei ihren durchaus selbstkritischen Äußerungen wirkte sie unbeteiligt, so dass eine pro-forma-Selbstkritik zustande kam, die wie angelesen wirkte. In ihren plastischen Schilderungen war ihr eigenes Verhalten verstehbar als Reaktion auf durchgänge Ängste (Schwiegermutter, mögliche Krankheiten der Kinder, ihr Mann, Umweltgefahren etc.). Bei einem der letzten Gespräche gewann ich jedoch den Eindruck einer zunehmenden neurotischen Depersonalisation.
In ihren Schilderungen sowie in ihrem Verhalten wirkte sie nicht nur sprunghaft, Frau Alteck stellte sich auch in ihren Handlungsmöglichkeiten als immer stärker beeinträchtigt dar, was mit einer auffälligen Gefühlshemmung einherging. Sie erkannte zwar ihren zunehmenden Kontaktverlust, der geradezu einer Flucht in die Isolation entsprach und sie äußerte auch immer wieder ihren mangelnden Antrieb, so dass sie kaum etwas von dem ausführe, was sie sich vornehme; ja schon das Lesen eines Buches käme nicht zustande, so dass mindestens zehn Bücher gleichzeitig aufgeschlagen herumlägen, doch endeten alle Berichte in der gleichen Stereotypie, dass alles so einfach wäre, wenn ihr Mann sich ändern würde.
Da ich grundsätzlich keine Behandlung im Bekanntenkreis durchführe, hielt ich es für angezeigt, ihr den Sinn und Nutzen einer Psychotherapie vor Augen zu führen. Doch diesen Gedanken wies sie weit von sich, zumal ihrer Ansicht nur einer therapiert gehöre, ihr Mann. Ich vermute, dass der aktualneurotische Zustand durch die narzißtische Kränkung (bevorstehende Trennung) und den Wegfall der Projektionsfläche (der Ehemann entzieht sich ihrem Einfluß durch möglichen Auszug) in einen akuten Wahn umgeschlagen ist.
gez. PD Dr. Christian-Rainer Weisbach
8. Juni 1992
Dr. phil. Rolf-Arno Wirtz
Psychoanalytiker (dpv/dgpt)
Klinischer Psychologe (bdp)
Kurz-Bericht über Ihren Besuch in meiner Praxis am 7. Juli 1992
Durch die Vermittlung einer im Hause meiner Praxis wohnenden Familie kam Herr Alteck kurzfristig am Dienstag, den 7. Juli in meine Praxisräume. Er kam kurz vor 16.00 Uhr und blieb bis ca. 16.50 Uhr.
Er kam in Begleitung von drei Kindern, die er mir als seine Kinder vorstellte. Ich kümmerte mich zunächst um die Kinder, die in einem größeren Raum malen konnten, während ich dann mit Herrn Alteck in einem anderen Zimmer sprechen konnte.
In dieser ersten Zeit und später, als die Kinder nacheinander in unser Besprechungszimmer kamen, konnte ich folgende Beobachtungen machen:
Sogleich viel die Älteste durch ihr ungezwungenes, expansives Verhalten auf. Sie begann sogleich ihre Fähigkeiten im Schreiben unter Beweis zu stellen, ebenfalls die mittlere der drei Kinder. Die Kleinste schien äußerst zurückhaltend und auch ängstlich zu sein.
Offensichtlich sind beide älteren Kinder mit einer sehr guten Begabung ausgestattet.
Als dann die Kinder unser Besprechungszimmer aufsuchten, fiel mir das recht ungezwungene Verhalten der Ältesten wiederum auf. Sie als einzige faßte mich an, als sie mir ihre gemalten Bilder zeigte.
Gegenüber Herrn Alteck zeigte keines der drei Kinder eine ängstliche oder distanzierte Haltung. Die Jüngste, die gegen Ende des Besuches untröstlich weinend auf dem Schoß von Herrn Alteck saß, wurde von diesem versucht zu trösten, indem er wissen wollte, ob sie ihre Mutter vermisse.
Insgesamt ergab sich für mich folgender Eindruck:
Herr Alteck erschien mir als ein Vater, der verantwortungsbewußt, liebevoll und auch souverän mit seinen Kindern umging.
Das jüngste Kind imponierte als offensichtlich schwer verstört und in ihren Verhaltensmöglichkeiten sehr eingeschränkt.
Das mittlere Kind erschien mir als das "ungestörteste" der Drei, während das Ältere, wie schon oben gesagt, sehr expansiv, auch Grenzen überschreitend sich verhielt.
Es war nicht zu beobachten, dass das Älteste irgendeine Angstreaktion auf ihren Vater zeigte, durch ihr expansives, auch Grenzen überschreitendes Verhalten ist aber nachvollziehbar, dass sie unter Angstvorstellungen leiden könnte.
Ich würde es für dringend erforderlich halten, dass die Herkunft dieser Angstreaktionen bei der Ältesten psychologisch eingehend untersucht werden.
Mit freundlichen Grüßen
gez. Dr. phil. Rolf-Arno Wirtz
Andrew Albers
Adresse
Telefon
Stellungnahme:
Als Freund der Familie Alteck und aufgrund der Situation, bin ich gerne bereit dem Wunsch des Herrn Alteck zu folgen und eine Stellungnahme abzugeben.
Familie Alteck kommt seit fünf Jahren jeden Sommer für 3-6 Wochen in unser Haus auf Texel. Ich glaube die Kinder und die Eltern gut zu kennen, da wir sehr guten Kontakt haben. Im Sommer '91 war Frau Alteck eine Zeit allein mit den Kindern hier, in diesem Sommer ist Herr Alteck seit dem 8. Juli bei uns.
Von der Ausbildung bin ich Pädagoge. Seit 12 Jahren arbeite ich bei 'Schoolbegleiding Dienst' in Den Helder, eine staatliche Einrichtung, deren Aufgabe es ist, bei pädagogischen und didaktischen Problemen, den Schulen (Lehrer, Schüler und Eltern) Hilfe zu geben. Meine Arbeit gilt 4-12 jährigen Kindern.
Seit 2 Jahren bin ich Direktor dieser Einrichtung in der Provinz Noord-Holland.
Wegen der Behauptung des sexuellen Missbrauchs, die Frau Alteck gegen ihren Mann erhoben hat, habe ich in diesem Jahr den Kindern besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Ich hatte bereits beruflich verschiedentlich mit sexuell missbrauchten Kindern zu tun. Bei den Kindern der Familie Alteck, insbesondere Anna, habe ich daher in den letzten Wochen die Dinge ausprobiert, die ich aus meiner Erfahrung und Ausbildung kenne. Keines der Kinder zeigte irgendwelche Abwehrreaktionen bei körperlichem Kontakt. Auch die für sexuell missbrauchte Kinder typische Versteifung, wenn man sie fest umarmt, war weder in der Vergangenheit noch in diesem Jahr festzustellen.
Es gab auch keine Veränderungen im Verhalten der Kinder. In allen Jahren, so auch in diesem, haben sich die Kinder hier ausgesprochen ungezwungen und lebhaft bewegt. Zum ersten mal sind alle Kinder in diesem Jahr offenbar vollkommen gesund, was in meinen Augen auch in der Vergangenheit der Fall war, der Unterschied ist, dass es dieses Jahr keine Rede von Schnupfen, allergischen Hautreaktionen und Mittelohrentzündungen ist.
Yvonne, die jüngst Tochter, war in der Vergangenheit eher zurückhaltend und sprach wenig, wobei man sehen muß, dass sie ja auch jünger war. In diesem Jahr habe ich Yvonne zu Beginn genauso, das heißt, eigentlich unverändert erlebt. Dabei fielen mir besonders ihre Augen auf, deren Blick man als nach innen gerichtet beschreiben kann. Binnen einer Woche veränderte sich ihr Verhalten und auch der Ausdruck ihrer Augen. Sie ist aufgetaut und spielt ebenso wie die anderen Kinder. Zum ersten mal erlebe ich, dass ich mit ihr auch sprechen kann, wohingegen sie im letzten Jahr die verbale Kommunikation verweigerte. Ich konnte beobachten, dass sie sowohl mit meiner ganzen Familie, als auch mit ihren Großeltern, die für ein paar Tage hier waren und die sie seit drei Jahre nicht gesehen hatte, normal sprach; also auch selbst die Initiative ergriff und ihre Position vertrat.
Wir hatten im letzten Sommer mit Frau Alteck sehr viele intensive Gespräche über die Familiensituation. Als wir im November durch Herrn Alteck von ihrer Behauptung erfuhren, waren wir nicht überrascht, da es bereits im Sommer eine Andeutung ihrerseits gegeben hatte. Eingedenk der Tatsache, dass die definitive Diagnose oder der Ausschluß von sexuellem Missbrauch sehr schwierig ist, konnte ich mir damals und kann ich mir auch heute, so wie ich die Kinder und Herrn Alteck miteinander erlebe, nicht vorstellen, dass dieser die Kinder missbraucht haben könnte.
>> Wenn sexueller Missbrauch derart fröhliche, lebhafte und spontane Kinder hervorbringt, sollte unsere Gesellschaft sexuellen Missbrauch eigentlich unterstützen müssen. <<
Ich habe gesehen, dass sich die Lebenssituation der Kinder mit ihrem Vater hier sehr schnell stabilisierte. Dazu hat sicherlich auch beigetragen, dass die Kinder hier nicht fremd sind. Es ist sehr schwer etwas eigentlich normales darzustellen, ohne dass es einen übertriebenen Ausdruck bekommt. Ich erlebe den Umgang des Vaters mit den Kindern als natürlich, weder übertrieben, noch unsicher oder unbeholfen. Er ist mit allen häuslichen Aufgaben offensichtlich gut vertraut und der Arbeit gewachsen.
Falls erforderlich, bin ich gerne bereit diese Aussagen mündlich zu erklären oder zu wiederholen.
Andrew Albers
Den Burg, den 26.7.92
An: den Vormundschaftsrichter beim Familiengericht
Von: Christa Gruhn
Betrifft: Familie Alteck
Meine langjährige Bekanntschaft mit Familie Alteck verpflichtet mich, Ihnen diesen Brief zu schreiben.
Am gestrigen Abend erfuhr ich von Herrn Alteck, dass sich seine Kinder seit einigen Stunden wieder in der Obhut von Frau Alteck befinden.
Ich empfinde das Vorgehen des Jugendamtes so unverantwortlich, dass ich mich entschlossen habe, Ihnen meine Sicht der Familiensituation Alteck zu schildern. Als Mutter von nunmehr erwachsenen Töchtern glaube ich mich durchaus in der Lage, auch unter Respektierung anderer Lebenssituationen, zu beurteilen, wie "normal" ein Umfeld für Kinder ist oder eben nicht.
Als ich die Familie kennenlernte, bestand sie erst aus vier Personen, das fünfte Familienmitglied war unterwegs. Ich fand es wunderbar, dass hier nicht die deutsche Einheitsfamilie: Vater, Mutter und zwei Kinder, entstand, sondern hier zwei junge Menschen den offensichtlichen Wunsch nach vielen Kindern hatten, denn vom vierten Kind wurde von Frau Alteck auch schon gesprochen.
Im Laufe der nächsten Zeit erfuhr ich jedoch aus Gesprächen mir Frau Alteck, dass sie diese Kinder nicht aus Freude an Kindern in die Welt gebracht hatte, sondern um ihren Eltern, aber auch ihren Schwiegereltern zu zeigen, wie leistungsfähig sie ist. Dazu muß man wissen, dass die Eheleute Alteck Einzelkinder sind. Das wäre sicher noch nicht problematisch, wenn sie nicht mehr und mehr Druck auf ihren Mann auszuüben begonnen hätte, hinsichtlich seiner innerhalb der Familie zu verbringenden Zeit. So empörte sie sich mir gegenüber vor eineinhalb Jahren, dass sie von ihrem Mann erwarten würde, in der Adventszeit zum Adventskaffee nach Hause zu kommen, unter der Woche versteht sich.
Sie erklärte mir immer wieder, dass sie es nicht einsehe, wenn ihr Mann (geschäftlich) verreise und sie zu Hause sitze muß. Wünschte ihr Mann dann auch noch 2-3 mal im Jahr mit meinem Mann ein Segelwochenende am Bodensee zu verleben, dann suchte sie Mittel und Wege, das zu verhindern oder ließ ihre Eltern anreisen und kam auch mit.
Immer unterstrich Frau Alteck in ihren Gesprächen mit mir, dass der Vater schließlich auch Pflichten den Kindern gegenüber hätte. Sie verstand in erster Linie darunter Zeit. Sie wünschte ihn spätestens um 18.00 Uhr zurück und das ganze Wochenende selbstverständlich. Zu meiner Überraschung habe ich Herrn Alteck nie in Ungeduld ob des Druckes erlebt. Im Gegenteil! Er übernahm die Kinder abends mit Freuden, während seine Frau den Sinn des Lebens in Kursen zur psychischen Aufbereitung des Körpers suchte. Ich habe diese Abende im Hause Alteck erlebt, da mein Mann und ich auf unseren abendlichen Spaziergängen desöfteren dort vorbeikommen. Ich habe auch erlebt, wie Frau Alteck in stundenlangen Telefongesprächen mit mir von diesen Kursen berichtete, obwohl z.B. die Kinder eigentlich Mittag essen sollten und um sie herum sprangen, was mich am anderen Ende der Telefonleitung mehr zu beunruhigen schien als die Mutter, und nur auf mein Drängen das Gespräch beendet wurde.
Die Spitze dieses, in meinen Augen mütterlichen Fehlverhaltens war der Kuraufenthalt von Frau Alteck in einem Müttergenesungsheim. Allein die Tatsache, dass eine Frau, die 4-6 Wochen Urlaub im Jahr am Meer verbringt, eine Putz- und Bügelfrau, Babysitter, einen aufmerksamen Familienvater und sporadisch zeitlich zur Verfügung stehende Eltern hat, keine finanzielle Not beklagen muß, für sich eine solche Einrichtung in Anspruch nimmt, ist für mich kaum zu fassen. Ich habe ihr das auch gesagt; worauf sie mir völlig ruhig erklärte, dass ich wohl falsch orientiert sei, solche Einrichtungen wären für alle Mütter da! Mein Einwand hinsichtlich der vierwöchigen Betreuung der Kinder durch eine völlig fremde Frau (das jüngste Kind war erst zwei Jahre und für sein Alter sehr zurück und sehr scheu) beunruhigte sie in keinster Weise. Nach ihrer Rückkehr rief sie mich an, um mir von diesen herrlichen vier Wochen ohne Kinder aber mit vielen Gesprächen und Diskussionen zu berichten. Immer wieder unterstrich sie, wie schön es gewesen sei ohne die Kinder. Das tat sie auch noch, als ich ein paar Tage später mit meinem Mann zu Besuch kam.
Selbstverständlich verstehe ich aus eigener Erfahrung sehr wohl, wenn eine Mutter von kleinen Kindern mal ausspannen möchte ohne Kinder. Aber sehr rasch kommt doch Sehnsucht auf; eben nach diesen Kindern. Diese Gemütsregung zeigte Frau Alteck in meiner Gegenwart nie!
Ich hatte viel mehr den Eindruck, und der Eindruck hat sich in den letzten Monaten eher noch verstärkt, dass die Kinder für Frau Alteck Mittel zum Zweck sind: zunächst gegen die Großeltern, nun gegen den Vater.
Eine Frau ist durch ihre Mutterschaft nicht automatisch eine Mutter. Aber ein Vater kann eine Mutter sein! wie es Herr Alteck ist.
Das sage ich aus tiefster Überzeugung.
gez. Christa Gruhn
5. August 1992
An: den Vormundschaftsrichter beim Familiengericht
Von: Martina Gruhn
Stellungnahme
Als langjähriger Babysitter der Familie Alteck möchte ich hiermit eine Stellungnahme über meine Beobachtungen in den letzten Jahren abgeben.
Ich habe in diesem Jahr mein Abitur gemacht und habe wenig Ahnung, wenn es um psychologische Ausführungen und Theorien geht. Niederschreiben möchte ich meine Gedanken in Beobachtungen, die ich im Laufe meiner Zeit mit der Familie Alteck gemacht habe. Das einzige, das ich erreichen möchte ist, dass es den Kindern gut geht. Es sind nämlich drei phantastische Kinder, und ich habe sie so lieb, als ob es meine eigenen wären.
Im Spätherbst 1987 begegnete ich zum ersten Mal der Familie Alteck. Frau Alteck war damals mit Yvonne schwanger und wollte nach deren Geburt einen Babysitter für nachmittags engagieren, damit sie mehr Zeit für ihr kleinstes Kind aufbringen könnte, während ich mit den älteren spielte. Besonders wurde ich darauf hingewiesen, welche Allergien welches Kind hatte und was es deshalb nicht essen durfte. Bemerkenswert war jedoch, dass die Kinder bei mir alles aßen und sich keinerlei Reaktionen zeigten. Stutzig wurde ich das erste Mal, als mir Frau Alteck erzählte, dass Anna eine Allergie gegen ihre Großmutter väterlicherseits habe. Ihr Körper war zwar mit roten Flecken bedeckt, aber dann fiel mir auf, in Welcher Art und Weise Frau Alteck über ihre Schwiegereltern, auch in Gegenwart der Kinder, sprach. Unbegreiflich, man kann nicht glauben, dass Kinder solche Ausführungen einfach verdauen. Als ich Weihnachten 1991 zu Besuch war, bekam ich mit, wie sie während eines Telefongesprächs, über ihren Mann in einer ähnlichen Weise sprach, und wieder waren die Kinder anwesend.
Herr Alteck war mir in der Anfangsphase sehr fremd, da er, wie die meisten Väter, tagsüber arbeitete. Besonders in Erinnerung ist mir allerdings eine Erfahrung, als ich Hilfe in Biologie brauchte und Frau Alteck mir als ehemalige Biologielehrerin helfen wollte. Am Ende war er es, der mir mit einer Lammesgeduld die Fakten erklärte. Dort trat zum ersten Mal die frage für mich auf, wie er wohl mit seinen eigenen Kindern umgehen wird wenn sie ihn einmal brauchen?
Auch das durfte ich eines Tages erleben, als Frau Alteck sich für vier Wochen einer Kur im Müttergenesungsheim unterzog. Ich war in dieser Zeit ein oder zweimal bei Alteck.
Eigentlich war immer meine erste Aufgabe als Babysitter von Frau Alteck, die Wiederherstellung der Zugangswege zu den Kinderzimmern gewesen. Bei meinem ersten Besuch während ihrer Abwesenheit wurde ich von einer ordentlichen heimischen Atmosphäre empfangen, die ich nie zuvor in diesem Haus empfunden hatte. An diesem Tag war eine mir in diesem Hause unbekannte, aber angenehme Ruhe. Zwischen Vater und Kindern herrschte eine vollkommene Harmonie.
Schon früher war mir aufgefallen, dass zwischen Vater und Kindern eine besondere Beziehung bestand, so richtig gesehen hatte ich sie nie, aber jetzt sah ich etwas, was mir an meiner eigenen Vater-Tochter Beziehung immer gefehlt hatte: Ein Vater, der sich in aller Ruhe um seine Kinder kümmerte und dabei ruhig und besonnen war.
Nach dieser Zeit wurde für mich ein Zusammensein mit Frau Alteck fast zu einer Qual. Ich kam nicht mehr mit ihren Ansichten über Kindererziehung und über das Leben zurecht. Regelrecht aufgezwungene Diskussionen zwischen uns zeigten mir, dass diese Lebensauffassung nicht die meine war. Zum ersten Mal war ich froh, dass ich mich schon vor dieser Zeit von meinen Pflichten als ständiger Babysitter befreit hatte. Meine anfänglichen Bedenken hatten sich bestätigt.
Über die Kinder möchte ich folgendes sagen: Nie ist mir an einem der Drei etwas außergewöhnliches aufgefallen. Anna und Maria sind meiner Meinung nach völlig normale Kinder. Beide sind sehr kreativ wenn es darum geht, sich selbst zu verwandeln und haben viel Phantasie, die sie in Form vieler Bilder umsetzen.
Anna ist die Phantasievollste und hat sich allerdings in letzter Zeit insofern verändert, als dass sie bei ihrer Mutter völlige Narrenfreiheit hatte und diese voll ausnutzte. Sie hat meiner Meinung nach die Lage vollkommen erkannt und kommandierte bei meinem letzten Besuch ihre Mutter in einem fort herum. [Dez.'91]
Maria ist sehr auf ihren Vater fixiert. Sie war immer die erste, die ihm entgegen rannte, wenn er nach Hause kam. Ein sehr robuster Typ von einem kleinen Mädchen, die sich nicht so schnell überzeugen ließ. Man hatte es nicht leicht mit ihr, solange keine männliche Person im Haus war. Beide waren in ständiger Sorge um ihre kleine Schwester, und es war rührend anzusehen, wie sie die kleinste in ihr Spiel mit einbezogen.
Yvonne hatte die schwierigsten Startbedingungen. Als Baby erlitt sie eine Hirnhautentzündung und wurde von ihrer Mutter seither wie ein rohes Ei behandelt. Es erschien mir wie ein künstliches Erzwingen eines Kleinkindes. Sie ist bis heute die, die am wenigsten spricht. Aber das kommt nicht etwa daher, weil sie von ihren Geschwistern unterdrückt wurde. Frau Alteck hatte Angst, dass auch dieses Kind größer werden könnte, wie die beiden anderen.
gez. Martina Gruhn
5. August 1992
Jutta Behring 15.02.1993
E I D E S S T A T T L I C H E E R K L Ä R U N G
Das Haus Strasse, Plz - Ort wurde in einem unvorstellbaren Chaos und Schmutz vorgefunden. Dieser Zustand, nach nur viermonatiger Benutzung durch die Antragsgegnerin hat nichts mit Unordnung oder "kleinbürgerlichen Ordnungsmaßstäben" zu tun, wie es Prof. Täschner in seinem Gutachten mutmaßte.
Allein das Aufräumen und Reinigen von Küche und Bad erforderte mehr als 30 Stunden Arbeit. Es gab keinen Schrank in dem nicht zahlreiche Gegenstände aus anderen Räumen waren. Das Aufräumen erforderte in erster Linie ständig Entscheidungen im Sinne: das gehört ins Bad, das ins Kinderzimmer, das in den Wohnzimmerschrank, das ist ein Kleidungsstück der Kinder, das ist Werkzeug aus der Garage etc. In den beiden Räumen vielen 4 große Müllsäcke Abfall an: leere Verpackungen, verdorbene Lebensmittel, kaputte Kleinteile, alte Zeitschriften etc.
Unter hygienischen Gesichtspunkten war ein Wohnen nach meinen Maßstäben mehr als bedenklich. Es gab viele verdorbene Lebensmittel, der Kühlschrank war schimmelig, Gefriergut unsachgemäß - unverschlossen - gelagert. Ich fand einen Topf voll mit einer gekochten Mahlzeit - schimmelig, eine Einkaufstasche voll mit Lebensmitteln, Obst und Gemüse - niemals ausgepackt und schimmelig. In den Kinderzimmern lagen vertrocknete Kekse und Brotreste umher.
Ferner gab es einen großen Eimer mit verschimmelten und angegorenen Kastanien. Im Bad war der Urin im Töpfchen eingetrocknet. Im Vorratskeller - jede Menge Schimmel. Im gesamten Haus haben sich bislang 12 Maschinen Schutzwäsche zusammengefunden. Die meisten Blumen sind vertrocknet.
Alles war äußerst stark verschmutzt, viele Dinge sind defekt. Darüber hinaus ist es bemerkenswert, dass sich im Haus 38 ungeöffnete Briefe an die Antragsgegnerin - seit Aug. '92 - befanden, 12 Wäschekörbe, 27 überzählige Blumenübertöpfe und 122 Medikamente, obwohl im August keine Medikamente mehr im Haus waren. In allen Räumen befanden sich Unmengen von Kerzen. Abschließend ist zu bemerken, dass immer wieder Dinge ins Auge stechen, die zweckentfremdet wurden oder unsachgemäß behandelt wurden.
Sowohl aus gesundheitlicher Sicht, als auch unter dem Sozialaspekt 'Ordnung' sehe ich eine Gefährdung im Verbleib der Kinder bei der Antragsgegnerin.
Nach einer Belehrung über die Folgen einer falschen eidesstattlichen Erklärung versichere ich hier durch meine Unterschrift an Eides statt, dass der geschilderte Zustand den wahren Gegebenheiten entsprach.
Jutta Gehring
Erklärung
Nicole Schaten war von März bis Dezember 1992 Babysitter im Haushalt Ute Alteck. Sie war regelmäßig an mindestens 2 Tagen in der Woche im Haus.
Ihre Aussagen aus einem dreistündigen Gespräch sind hier thematisch zusammengefaßt.
Haushalt:
Hier hätte das Jugendamt die meiste Zeit nicht hereinkommen dürfen. In den Kinderzimmern mußte man immer über alles hinwegsteigen, da sah es immer aus, als ob eine Bombe eingeschlagen wäre. Wenn ich den Kindern etwas zu essen machen sollte, habe ich erst einmal eine Stunde die Küche aufgeräumt und oftmals drei Tage alte Essensreste weggeworfen - Sachen die Ute immer wieder aufgewärmt hat. Oftmals habe ich 2 oder 3 Stunden gebügelt damit ich für mich Platz auf dem Wohnzimmertisch hatte. Ute hat immer nur gesagt, dass sie Bügeln muß, wenn ich eine Woche später kam, waren die Sachen immer noch da. Manchmal hatte ich den Eindruck, dass sie die Anziehsachen der Kinder wieder aus der Schutzwäsche herausgenommen hatte. Im Bad lagen Fön und Kamm auf dem Boden usw.
Essen:
In der Küche standen immer Essensreste. Die Spülmaschine war nie ausgeräumt. Im Kühlschrank gab es verdorbene Lebensmittel. Einmal habe ich den Kindern Brote gemacht, da haben wir später festgestellt, dass die Wurst schimmelig war. Ute ging mehrmals in der Woche nach der Schule mit den Kindern zu Mc Donalds, weil sie keine Lust zum Kochen hatte.
Sexueller Missbrauch:
Andauernd hat Ute mich auf irgendwelche Äußerungen oder Verhaltensweisen hingewiesen, die angeblich Zeichen dafür seien, dass Anna sexuell missbraucht sei. Ich konnte das nicht nachvollziehen. Die Kinder wollten es auch nicht mehr hören. Sie kamen immer wieder zu mir und sagten: Die Mama hat dies oder jenes gesagt - stimmt das? Ich habe ihnen gesagt, sie müssen sich eine eigene Meinung bilden. Anna war immer nachdenklich, wenn Ute so etwas gesagt hat. Maria still. Einmal war Maria in ihrem Zimmer und hat fürchterlich herumgetobt und mit einem Schuh nach mir geworfen, als ich die Treppe hoch kam. Ich habe sie zur Rede gestellt und sie hat mir geantwortet: "Du hast doch gesagt, ich muß mir eine eigene Meinung bilden." Da hatte Ute sich wieder über Gespenster und ein silbernes Band (zum Fesseln) beim Missbrauch geäußert.
Irgendwann war es mir zu bunt. Da habe ich Ute gesagt, dass ich selber missbraucht worden bin. Von da an hat sie nie wieder gesagt, dass ihr die Kinder erzählt hätten, dass ... Ich hatte den Eindruck, dass sie sich irgendwie ertappt vorkam. Statt dessen hat sie mich bedrängt und gebohrt, dass ich ihr von meinen Erfahrungen erzähle.
Ute:
Sie hat einen ungeheueren Männerhaß und leidet unter krankhaften Verfolgungswahn. Als Annas Katze Anfang November weg war hat sie gesagt, dass sei Thomas gewesen, um die Familie zu terrorisieren. Von der Nachbarin fühlte sie sich immer beobachtet und sie hat mir gesagt, dass die Frau Gsell in Thomas Auftrag spioniert. Einmal hat sich die Haushaltshilfe, Frau Radic sehr lange mit Frau Gsell unterhalten. Das gefiel Ute gar nicht. Daraufhin traute sie auch Frau Radic nicht mehr und hat sie wohl entlassen.
Die Kinder durften nur im Garten spielen wenn Ute dabei war. Sie hat mir immer erzählt, dass die Kinder schreckliche Angst vor Thomas haben. Wenn sie abends nach Hause kämen, dann würden sich alle Kinder aus Angst an sie klammern. Das ist totaler Unsinn. Wenn ich abends mit den Kindern beim Bauern Milch holen war, haben sie sich völlig frei bewegt und keinerlei Angst gehabt. Ute vermutete Thomas hinter jedem Baum. Anna hat einmal geäußert, dass sie Angst hat, dass Thomas nachts kommt und klingelt. Daraufhin habe ich sie gefragt, ob sie das schon erlebt hat. "Nein", war die Antwort, "aber die Mama erzählt das." Ute meinte auch immer, dass ihre Eltern mit Thomas unter einer Decke stecken.
Gespenster:
Ute erzählte immer, dass die Kinder nachts von einem Gespenst träumen. Wann immer ich hier geschlafe habe, haben die Kinder durchgeschlafen. Ute läuft mit einer Rolle von Bildern herum, auf denen Gespenster gemalt sind. Die schaut sie sich den ganzen Vormittag an und erklärt immer was wie auf sexuellen Missbrauch deutet.
Auf Nachfrage: Ich weiß nicht, ob die Bilder von den Kindern sind. Ich habe die Kinder nie ein Gespenst malen sehen und ich habe viel mit ihnen gemalt. Sie haben mir auch nie erzählt, dass sie von einem Gespenst geträumt hätten.
Ich zeige ihr ein Bild von einem Gespenst, das Ute in ihr Tagebuch gemalt hat. "Ja, so sehen die Bilder auch aus", ist ihre Antwort.
Kinder und Vater:
Die Kinder haben nie ein böses Wort über Thomas verloren. Als er einmal da war, um Sachen abzuholen, hat Ute gesagt: "Nimm' schnell die Kinder und geh' hoch mit ihnen. Die Kinder haben mich dann gefragt, ob sie am Fenster gucken dürfen. Das habe ich ihnen erlaubt. Da haben sie ganz stolz erzählt: "Das ist unser Papa." Ich hatte die strickte Anweisung die Kinder nicht ans Telefon zu lassen. Einmal hat Thomas angerufen. Anna hätte gerne mit ihm sprechen wollen. Die Kinder haben so fröhlich von dem Aufenthalt mit Thomas auf Texel erzählt. Insbesondere Yvonne hat eine Zeit danach ganz viel gesprochen - es muß ihr unheimlich gut gefallen haben.
Die Kinder haben sich immer riesig auf die Besuchstage gefreut. "Freitag darf ich wieder den Papa sehen." Ute hat sie immerzu bedrängt in der Weise: "Ihr wißt, dass wir da nicht hin müssen. Wenn ihr nicht wollt, dann gehen wir nicht." Immer wieder, jede Woche. Im Beisein von Ute haben die Kinder nicht von den Besuchstagen gesprochen, doch wenn sie fort war haben sie spontan erzählt. Wir haben mit dem Papa gespielt. Yvonne ist tagelang ganz stolz mit der Laterne herumgelaufen und hat immer gesagt: "Die hat der Papa mit mir gebastelt." Ute tobte immer und meinte. "Ich habe die Schnauze voll - ich muß es immer ausbaden, wenn die Kinder den Vater getroffen haben - dann geht es ihnen immer schlecht."
Kinder und Mutter:
Maria ist im Beisein von Ute immer zurückhaltend, sonst ist sie ganz ausgelassen und sucht immer Zärtlichkeit. Yvonne ist eher still, bis auf die Zeit nach Texel. Anna ist immer nachdenklich wenn Ute etwas sagt. Auf Nachfragen: Ute kümmert sich nicht um die Kinder. Sie hat nie mit ihnen gespielt oder gebastelt, das war immer ich. Ihr Standardspruch war: "Macht was ihr wollt, aber laßt mich in Frieden. Ich will meine Ruhe haben." Um die Hausaufgaben hat sie sich auch nicht gekümmert, die habe ich abends mit den Kindern gemacht. Wenn ich mittags hier war, habe ich die Kinder nie Hausaufgaben machen sehen.
Sonstiges:
Auf Nachfrage wie denn der Alltag aussah, dass weder geputzt noch aufgeräumt wurde. Ute hat die Kinder zur Schule gebracht, danach hat sie mit KOBRA oder mit jemandem aus dem KI telefoniert, dann hat sie die Bilder angeschaut und ihre Schlüsse gezogen, hat die Kinder abgeholt und war mit ihnen bei Mc Donalds und anschließend bei KOBRA zur Therapie oder Reiten, danach war bereits Abendbrotzeit. Am Wochenende war immer eine Freundin da.
Ute und Thomas:
Über Thomas hat sie immer wieder fürchterlich geschimpft - im Beisein der Kinder hat sie sich nicht gezügelt. "Scheißkerl, Arschloch, verdammter Idiot, riesengroßer Mißtkerl" waren ihre Lieblingsausdrücke, meist wenn sie mit ihrer Anwältin oder dem Jugendamt telefoniert hatte. Sie hat gesagt, dass Thomas das Saxophon nie zurückkriegt und außerdem: "Thomas hat den Krieg gewollt - nun kriegt er ihn auf meine Weise."
Sie hat erzählt sie sei Lehrerin für Deutsch, Kunst und Biologie. (richtig ist: Chemie und Biologie) und die IBM hätte Thomas wegen Unzuverlässigkeit gefeuert, darum kriege sie keinen Unterhalt. Sie hat mich auch gefragt, ob mein Vater Einfluß bei der IBM hat, um Thomas die Hölle heiß zu machen.
Ute hat immer das Gefühl, dass ihr alles über den Kopf wächst. Sie meinte immer, das wird ihr alles zuviel.
Ich finde an ihr ist Hopfen und Malz verloren, sie ist so voller Widersprüche.
Einmal ging es Maria nicht gut, nachdem sie die schimmelige Wurst gegessen hatte. Da habe ich ihr eine Wärmflasche gegeben und Maria erzählte: "Die Mama gibt uns dann immer Zäpfchen und Tabletten." Das kam mir merkwürdig vor. Die Kinder mußten auch immer Bachblütentee trinken, dabei käme es genau auf die Proportionen an, hat mir Ute immer erzählt.
Datum / Unterschrift
Kobra e.V.
Beratungsstelle für suexuell
missbrauchte Mädchen
Hölderlinstr. 20
70174 Stuttgart
Tel. 0711 - 162970
Frau
Dr. Kellermann-Körber
Böblinger Str. 2
71088 Holzgerlingen
17.01.94
Sehr geehrte Frau Kellermann-Körber,
nach nochmaligem Durchschauen meiner Unterlagen bezüglich Anna Alteck stellte ich erneut fest, dass Anna damals durchgängig heftig ablehnte, ihren Vater zu sehen.
Anna ging es in der Zeit, in der sie hierherkam, nicht gut. Oft spielte sie in den Spielstunden "Chaos beseitigen".
Die Therapiestunden hier sollten ihr helfen, selbst herauszufinden,
- was sie wollte und was ihre Kümmernisse waren und davon unterscheiden, was sie glaubte, dass Mama bzw. Papa wollten und was deren Kümmernisse waren.
Eindeutige verbale Aussagen bezüglich sexuellen Missbrauchs durch den Vater machte Anna in der Zeit, in der sie zu KOBRA kam, nicht. Daraus kann natürlich nicht geschlossen werden, dass kein sexueller Missbrauch vorlag, weil sexuell missbrauchte Kinder in den meisten Fällen keine klaren verbalen Aussagen bezüglich ihres Missbrauchs machen, da sie unter belastendem Geheimhaltedruck stehen.
Auch ihre Rollenspiele und ihre Ängste ließen keinen eindeutigen Schluß auf sexuellen Missbrauch zu, konnten den Verdacht aber auch nicht entkräften. (z.B. Annas Gespensterangst etc.)
Anna selber machte einige Male Andeutungen, dass "was" mit dem Papa auf dem Sofa im Wohnzimmer gewesen sei, sagte aber nicht was.
Einmal wollte sie gern einen Drachen bauen. Da ich wissen wollte, ob das mit einer angenehmen Erinnerung an den Papa verkünpft sei, fragte ich sie, ob sie mit dem Papa auch zusammen "Drachen gebaut" habe. Sie sagte "Ja". Dann sagte sie spontan, aber sie wolle den Papa nicht mehr sehen. Sie sei so wütend auf ihn, dass sie auch garnicht mehr an ihn denken wolle. Dann zeigte sie mir zwei Wunden an sich.
Nach wie vor ist für mich der Verdacht auf Missbrauch nicht ausgeräumt. Nach wie vor würde ich die klare Aussage des Kindes, sie wolle den Vater nicht sehen, ernst nehmen.
Mit einer vollständigen Entkräftung oder Erhärtung des Verdachts darin erst gerechnet werden, wenn das Kind längere Zeit keinem familiären und gerichtlichen Druck ausgesetzt ist, während es von dem möglichen Tätern getrennt ist.
Daß für Anna immer noch keine Ruhe eingekehrt ist, hat vermutlich in ihr inzwischen zu schweren Sekundärschädigungen geführt.
Soweit meine abschließende Stellungnahme zu Anna.
Mit freundlichen Grüßen verbleibe ich
Ursula Iskenius
Von: RA Kellermann-Körber
An: OLG Stuttgart
18 UF 133/93
In Sachen Alteck / Alteck
übergeben wir angeschlossen Stellungnahme der Beratungsstelle für sexuell mitßbrauchte Mädchen zu den -therapeutischen Maßnahmen Anna.
Rechtsanwältin
Dr. Kellermann-Körber
Anlagen
Von: Paychologische Praxis
Dipl.-Psych. Sibylle Überschaar
Dipl.-Psach Isolde Krug
An: RA Kellermann Körber
28.01.1994
Sehr geehrte Frau Kellermann-Körber,
mit dem Einverständnis von Frau Ute Alteck senden wir Ihnen anbei einen zusammengefaßten Verlaufsbericht zur bisherigen psychotherapeutischen Behandlung der Geschwisterkinder
Maria Alteck, *14.3.1986 und Yvonne Alteck, *12.4.l988.
Die beiden Geschwisterkinder Maria und Yvonne Alteck am 15.3.1993 vorgestellt und sind seither bei uns in therapeutischer Behandlung (Seit: Oktober 1993 wird die therapeutischee Arbeit von Frau Ueberschaar-Reichle al1ein witergeführt). Grund der Vorstellung der Kinder waren von der Mutter geschilderte Verhaltensauffälligkeiten und emotionale Belastungsreaktionen, die in Zusammenhang mit einer im Sommer l992 erlebten Entführung der Kinder durch den Vater gesetzt wurden. Zudem nach Angaben der Mutter ein dringender Verdacht auf sexuellen Missbrauch der ältesten Tochter Anna (9) durch den Vater. Nicht abschließend geklärt ist zum Zeitpunkt der Vorstellung die Frage, inwieweit auch Yvonne und Maria sexuelle Übergriffe erlebt oder beobachtet haben.
Vorgeschichte
Die Vorgeschichte ist Ihnen bestens bekannt. Zur Situation zum Zeitpunkt der Vorstellung ist noch zu sagen, dass Frau Alteck seit Frühjahr 1991 von ihrem Mann getrennt lebt und seit wenigen Wochen bei Freunden im Freiburger Raum untergekommen ist. Die Scheidung wurde bereits ausgesprochen, das Sorgerecht liegt bei der Mutter. Der Umzug in eine eigene Wohnung in Sonstwo, wo die Kinder Maria und Anna bereits die Grundschule besuchen, steht bevor. Frau Alteck versucht, ihren Aufenthaltsort vor dem Kindesvater geheimzuhalten, da sie Repressalien fürchtet und die Kinder sich nach ihren Aussagen ebenfalls fürchten, von Vater "entdeckt" zu werden.
Die beiden älteren Schwestern Anna und Maria waren bis zum Umzug der Familie nach Freiburg bereits in therapeutischer Behandlung bei Kobra, Stuttgart, bzw. dem Kinderschutzbund.
Verlauf
Beim Erstkontakt sehen wir Yvonne Alteck, ein zierliches, adrett gekleidetes fünfjähriges Mädchen, die im -Kontakt zunächst sehr zurückhaltend ist, häufig die körperliche Nähe der Mutter sucht und auch auf direkte Ansprache kaum verbal reagiert. Sie nimmt jedoch Blickkontakt auf und folgt dem Gespräch aufmerksam.
Maria Alteck, eine ebenfalls zierliche Siebenjährige, beteiligt sich lebhaft am Gespräch, reagiert offen und spontan auf Fragen, und nimmt häufig eine "Dolmetscherrolle" für ihre Schwester ein.
Als Problembereiche Yvonnes werden zunächst eine primäre Enuresis sowie ihre häufig sehr eingeschränkte verbale Kontaktaufnahme deutlich. Maria wirkt auf den ersten Blick sehr beherrscht, im weiteren Verlauf zeigen sich jedoch zwischen depressiver Verstimmung und aggressiver Trotzhaltung wechselnde Stimmungslagen, die auf eine erhebliche emotionale Belastung schließen lassen.
Zentrales Thema der ersten Stunden ist bei beiden Kindern unabhängig voneinander die erlebte Entführung durch den Kindesvater. Im Spiel und gestalterischen Ausdruck (z.B. Szenomaterial, Freies Malen, Rollenspiel) stellen sie ihre Angst vor einer Wiederholung der Entführung dar. Sehr plastisch und detailgenau können sie den konkreten Akt der Entführung schildern. Desweiteren berichten sie wiederholt von einer Situation, wie sie eines Nachts im Wohnwagen aufgewacht seien und der Vater verschwunden gewesen sei. Diese Situation wird von den Kindern als sehr angstbesetzt geschildert. Es fällt auf, dass sie über den weiteren Verlauf der mehrere Wochen dauernden Entführung kaum berichten. Insgesamt ist deutlich, dass sie die abrupte Trennung von der Mutter als sehr traumatisch erleben und starke Ängste haben, diese könne sich wiederholen. Der Vater wird in diesem Zusammenhang als Bedrohung erlebt.
Im Laufe der folgenden Monate stabilisiert sich die familiäre Situation. Die zu Beginn noch sehr häufige Schilderung der Entführung innerhalb der Therapie wird seltener. Es zeigt sich, dass beide Schwestern sehr gut in der Lage sind, sich in ihrer neuen Umgebung zu integrieren und sich zunehmend sicherer fühlen. Beobachtbar bei Yvonne ist ihre Fähigkeit, sich stärker von der Mutter zu lösen. Im Kontaktverhalten wirkt sie freier und selbstsicherer. Sie ist nun tagsüber trocken, näßt auch nachts seltener ein. Bei Maria fällt eine Stabilisierung der Stimmungslage auf.
Parallel wird von beiden Mädchen in der Therapie nun das Thema "Familie" aufgegriffen. Im Umgang mit therapeutischen Spielmaterialien nahen wird immer wieder die "intakte Familie" dargestellt und der Wunsch nach einer Vaterfigur zum Ausdruck gebracht (z.B. "Geburtstagsfest mit Vater und Mutter", "Hochzeit"). Gleichzeitig äußern die Kinder jedoch immer wieder spontan, auch unabhängig voneinander, den leiblichen Vater nicht sehen zu wollen. Erneute Versuche der Kontaktaufnahme des Vaters, beispielsweise im Dezember 1993, lösen vor allem bei Maria starke Ängste aus. In diesem Zusammenhang berichtet sie von Alpträumen, in denen sie vom Vater verfolgt wird. Sie äußert innerhalb der Therapie vehement den Wunsch, den Vater nicht mehr sehen zu wollen.
Als Vaterfigur gewinnt der neue Partner der Mutter an Bedeutung. Maria malt ein Bild von der "Hochzeit von Jürgen und Mama" und auch Yvonne drückt eine enge positive Bindung aus ("den Jürgen hab' ich lieb").
Innerhalb der Therapie läßt sich eine emotionale Stabilisierung der Kinder feststellen. Die stabile Mutterbindung sowie die Beziehung zum neuen Lebenspartner der Mutter und eine gute Eingewöhnung an die neuen Lebensumstände spielen hierbei ein wichtige Rolle.
Mit freundlichem Gruß
Sibylle Überschaar-Reichle,
Isolde Krug
Von: Verfahrenspfleger
An: Familiengericht
42 F 18/99
In Sachen Thomas Alteck / Ute Alteck
w e g e n: Regelung des Umgangs
mit den Töchtern Anna, Maria und Yvonne
wurde der Unterzeichner mit Beschluss des Familiengerichts Freiburg vom 07.05.1999 gemäß § 50 II 2 FGG als Verfahrenspfleger für die Kinder
* Anna, geb. 01.11.1984
* Maria, geb. 14.03.1986
* Yvonne, geb. 12.04.1988
bestellt.
Zu den Anträgen des Kindesvaters auf Neuregelung des Umgangsrechts, auf Auskunft und
- ersatzweise - auf Abänderung der Sorgerechtsbefugnis gemäß Schriftsatz vom 17.03.1999 gebe ich nachfolgende
Stellungnahme
ab:
1. Allgemeines
1. Jedes Kind hat als Grundrechtsträger Anspruch auf staatlichen Schutz seines Grundrechts aus Artikel 2 1 GG. Bei einer Interessenkollision zwischen Eltern und Kind ist das Kindeswohl der bestimmende Maßstab. In Verbindung mit dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Artikel 103 1 GG) ergibt sich die Verpflichtung, das Kindeswohl verfahrensrechtlich dadurch zu sichern, dass Kindern bereits im familiengerichtlichen Verfahren ein Verfahrenspfleger gemäß § 50 FGG zur Wahrung ihrer Interessen als "Anwalt des Kindes" zur Seite gestellt wird. Hierdurch soll sichergestellt werden, dass die eigenständigen Interessen des Kindes in das Verfahren eingebracht werden können und das Kind damit nicht zu einem bloßen Verfahrensobjekt wird. Mit Beschluss vom 29.10.1998 (FamRZ 99, 85ff) hat das Bundesverfassungsgericht die im Rahmen der Reform des Kindschaftsrechts zum 01.07.1998 normierte Institution des Verfahrenspflegers für Verfahren vor den Familiengerichten wie folgt definiert:
Garantie einer Berücksichtigung der grundrechtlichen Stellung des betroffenen Kindes nicht nur materiell-rechtlich, sondern auch verfahrensrechtlich
Interessenwahrnehmung im Sinne einer Parteivertretung
Sicherung des Kindeswohls
Berücksichtigung des Kindes und seiner Individualität als Grundrechtsträger.
2. Der Verfahrenspfleger hat durch seine Interessenvertretung während des Verfahrens das Kind zu begleiten und ist zugleich verpflichtet, für die Verwirklichung der Beteiligungs-, Anhörungs- und Beschwerderechte durch Sicherung folgender Prinzipien einzutreten:
-Kindesanhörung (§ 50 b FGG)
-Gewährleistung von Hilfeplanung (§ 36 II KJHG)
-Beratung (§ 8 1 2 KJHG)
-gegebenenfalls Einholung von Sachverständigengutachten (§ 12 FGG)
-Beschwerderecht (§ 59 FGG).
3. Für die Durchführung des gerichtlichen Verfahrens tritt der Verfahrenspfleger an die Stelle des gesetzlichen Vertreters, das heißt, dass der Verfahrenspfleger, wie ein Sorgerechtsinhaber, gleichartige, die Person des Kindes berührende Rechte während des Gerichtverfahrens wahrnimmt (Balloff "Der Verfahrenspfleger als Anwalt des Kindes" in FPR 04.1999, Seite 221).
Der Verfahrenspfleger ist zudem verpflichtet, das Gespräch mit den aktuellen Betreuungspersonen der Kinder, mit Eltern und Pflegeeltern sowie den Sachbearbeitern des Jugendamts zu suchen und zu führen, gleichfalls sollen andere für das Kind zuständige Fachkräfte gehört werden (Weber/Zitelmann, Standards für Verfahrenspflegerlnnen, Seite 16, Luchterhand Verlag, Neuwied).
In diesem Sinne hat der Unterzeichner
- persönliche Gespräche mit den Kindern und deren Eltern geführt,
- persönliche Gespräche mit Frau Maier (Jugendamt Freiburg) und Frau Haack (Umgangsbetreuerin) geführt
- Telefonate mit den Verfahrensbeteiligten geführt.
Dem Unterzeichner ist bewusst, dass es derzeit noch umstritten ist, ob der Verfahrenspfleger aus Kindeswohlgründen Schlussfolgerungen und Empfehlungen abzugeben hat oder nicht. Balloff (a.a.O.) führt hierzu aus, dass der Verfahrenspfleger als "Anwalt des Kindes" zunächst Sprachrohr des Kindes zu sein hat, während beispielsweise das Jugendamt, das Gericht oder der Sachverständige auch Interessenvertreter des Kindes zur Sicherung oder Herstellung des Kindeswohls sind. Deshalb sollte der Verfahrenspfleger nur in begründeten Ausnahmefällen in enger Kooperation mit dem genannten Personenkreis "objektive" Empfehlungen und Schlußfolgerungen aus seiner fachlichen Sicht abgeben, die bekanntermaßen nicht mit den Willensäußerungen und dem Willen des Kindes oder Jugendlichen im Einklang stehen müssen (Balloff a.a. 0.).
Unstreitig dürfte zwischenzeitlich sein, dass der Verfahrenspfleger auch berechtigt ist, nicht nur zugunsten der Kinder ein Rechtsmittel einzulegen, sondern das Rechtsmittelverfahren auch durchzuführen (Grefimann, "Das neue Kindschaftsrecht ", Gieseking 1998, Seite 320; Balloff a. a. 0.; Weber/Zitelmann, a. a. 0.).
II. Schilderung des Sachverhalts
Anna, Maria und Yvonne leben mit ihrer Mutter und dem 5-jährigen Halbbruder Joscha seit August 1998 in einer 4-Zimmer-Wohnung des Hauses ... in Sonstwo. Anna und Joscha haben ein eigenes Zimmer, Maria und Yvonne teilen sich ein Zimmer, die Mutter schläft - abgetrennt durch einen Vorhang - im Wohnzimmer. Die Wohnsituation wird allseits als angenehm, wenn auch etwas eingeengt, beschrieben. Frau Alteck bezieht Sozialhilfe und UVG-Leistungen, Mittel zum Lebensunterhalt sind knapp bemessen.
Herr Alteck wohnt seit drei Jahren mit seiner Lebensgefährtin, Frau ... und deren beiden Söhnen aus erster Ehe, P. (12 Jahre) und S. (10 Jahre) in .... zusammen und arbeitet als angestellter Prokurist im Vertrieb für Wohnwagen- und Campingartikel von Frau ... . Er besucht regelmäßig seinen 4-jährigen Sohn in .... Mit den Töchtern Anna, Maria und Yvonne findet derzeit kein regelmäßiger Umgang statt.
Töchter und Vater haben sich zuletzt anlässlich eines Skitags - mit Frau Alteck, P. und S. - im Frühjahr 1999 gesehen, unbegleiteter Umgang findet seit Jahren nicht statt. Zu regelmäßigen Besuchskontakten vom Sommer 1996 bis Winter 1997 war jeweils Frau Ute Haack zugegen, diese Kontakte erfolgten jedoch während der Jahre 1998 und 1999 nicht mehr. Ausgangspunkt dieser Besuche war der Beschluss des Familiengerichts Freiburg vom 12.03.1996 in Sachen - 42 F 106/94 - mit dem - für die Dauer von sechs Monaten - regelmäßige monatliche Treffen der Töchter Maria und Yvonne in Begleitung einer neutralen Person angeordnet wurden, wobei eine Entscheidung über das Umgangsrecht mit Anna einem späteren Zeitpunkt vorbehalten war.
Die Eltern der Kinder sind seit 1993 geschieden, wobei Fragen der elterlichen Sorge und insbesondere des Umgangsrechts seit Trennung im Jahre 1991 höchst streitig waren und sind. Die Amtsgerichte Böblingen und Freiburg sowie die Oberlandesgerichte Stuttgart und Karlsruhe waren seit der Zeit der Trennung fast pausenlos, teilweise überlappend, mit Verfahren beschäftigt, die das Kindeswohl betreffende Problematiken beinhalteten und beinhalten. Neben diesen Verfahren würde und wird höchst streitig über Unterhaltsproblematiken verhandelt, zuletzt vor dem Oberlandesgericht Karlsruhe.
Mit Antrag vom 16.01.1999, präzisiert mit Schriftsatz vom 17.03.1999, hat Herr Alteck das Familiengericht Freiburg angerufen und eine Umgangsrechtsregelung mit allen drei Töchtern beantragt, zudem ein Auskunftsrecht, ersatzweise die Übertragung der elterlichen Sorge auf sich. Mit Schriftsatz vom 12.04.1999 beantragte Frau Alteck, die vom Vater begehrte derzeitige Umgangsregelung zurückzuweisen, da alle drei Töchter ihren Vater im Moment nicht sehen möchten.
Das Kreisjugendamt hat mit Stellungnahme vom 19.07.1999 ausgeführt, dass es Anna selbst überlassen bleiben sollte, ob ein Besuchskontakt beim Vater von ihr gewollt ist oder nicht, besonders auch deshalb, weil dieses Verhältnis von dem Vorwurf bzw. Verdacht des sexuellen Missbrauchs schwer belastet ist. Auch die Aussagen der Töchter Maria und Yvonne, die äußerten, dass sie ihren Vater nur im Beisein einer ihnen vertrauten Person sehen wollen, sollten ernst genommen werden, wobei hinzukomme, dass auch die Mutter einen unbetreuten Kontakt von Maria und Yvonne zu deren Schutz nicht zulassen möchte.
Auf die wechselseitigen Anträge und die Stellungnahme des Kreisjugendamts wird verwiesen.
III. Gespräche mit den Mädchen
Am 14.06.1999 hat der Unterzeichner - jeweils alleine und ohne Zeitdruck - ausführliche Gespräche mit Anna, Maria und Yvonne in seinen Büroräumen geführt; mit Anna noch ein Telefonat am 05.08.1999.
1. Anna Alteck. geb. am 01.11.1984
Anna besucht demnächst die 9. Klasse der Realschule Heitersheim und wird im November 1999 15 Jahre alt. Nach anfänglicher Skepsis, wiederum von jemandem zur Problematik gehört zu werden, inwieweit Besuchskontakte mit dem Vater stattfinden sollen oder nicht, taut Anna schnell auf und schildert dem Unterzeichner ihre Sicht der Dinge. Diese Schilderung erfolgt spontan, abgeklärt, erwachsen und emotional. Im Gespräch zeigt Anna ein verblüffend offenes Selbstbewußtsein, wobei sie als "älteste Schwester" Schutzfunktionen zu übernehmen bereit ist. Gelöst und offen erzählt sie, dass sie seit Oktober 1998 einen Freund habe, der gerade 17 geworden ist und in Sonstwo wohne. Mit der Mutter beständen deswegen keine Probleme, man rede positiv miteinander. Die Beziehung zum Freund gibt Anna Halt und nach ihrer Aussage auch die Möglichkeit, über frühere Zeiten zu reflektieren.
Ihren Vater habe sie zuletzt anläßlich eines Skitages im Frühjahr 1999 gesehen, zusammen mit der Mutter, den Schwestern, dem Freund und den Stiefsöhnen des Vaters. An diesem Tag sei ihr der Vater jedoch aus dem Weg gegangen, obwohl sie ihn aufgefordert hat, man solle zusammen Ski fahren. Aus diesem Grunde sei sie auch froh gewesen, dass der Freund dabei war. Auch vor dem Skitag habe man sich - mehr oder weniger zufällig und nicht abgesprochen - gesehen und zwar beim Pilzesammeln und beim Gerichtstermin im Januar 1999 anlässlich eines Frühstücks. Anna war bei diesen Besuchen jeweils dabei, man habe jedoch hauptsächlich über schulische Problematiken gesprochen.
Vor ca. vier Jahren beendete sie eine ein Jahr lang dauernde Therapie, wobei sie seither die mit dem Vater bestehenden Probleme mit ihrer Freundin, ihrer Mutter und ihrem Freund aufarbeitet. Für Anna sind diese Probleme jedoch nunmehr abgeklärt, eingebildet habe sie sich nichts.
Anna ist sich sicher, vom Vater sexuell missbraucht worden zu sein, eine Tatsache, an die sie sich früher nicht genau erinnern konnte. Erst in letzter Zeit - insbesondere durch Erleben mit
dem Freund - kämen Bilder und Erinnerungen hoch, die ihr klar zeigen, dass etwas gewesen sei. Sie kann sich an einen Waschraum im Keller des früheren Hauses erinnern, insbesondere an eine dort stehende Waschmaschine; dort sollen sexuelle Handlungen stattgefunden haben.
Zu den Anträgen des Vaters befragt, teilt sie mit, hiermit nicht einverstanden zu sein. Sie wolle generell den Vater nicht sehen, dies könne er sich "abschminken". Es gehe ihr nicht gut, wenn sie ihn sehe, alles störe sie an ihm, insbesondere die Tatsache, dass er sie nicht verstehe. Der Vater schiebe sämtliche Probleme auf die Mutter ab, insbesondere auch die Tatsache, dass die Töchter ihn nicht sehen wollen. Dem sei jedoch nicht so, es handele sich um ihre eigene Entscheidung, ihn nicht sehen zu wollen. Die Mutter habe sie hier nie beeinflußt, auch nicht in der Vergangenheit.
Mit dem Vater sei sie in einen kurzen Briefwechsel eingetreten, dieser könne sie jedoch nicht verstehen. Dieses Nicht-Verstehen störe sie am meisten, es beeinträchtige sie auch insoweit, als es ihr dann nicht gut geht. Unter diesen Umständen könne sie mit dem Vater auch keine Pilze sammeln oder Ski fahren gehen.
Anna sieht auch keine Möglichkeit, einer anderen Besuchsregelung zuzustimmen. Sie will den Vater überhaupt nicht sehen und ist weiterhin der klaren Ansicht, das geschehe dem Vater recht. Sie ist auch nicht damit einverstanden, dass ihre Schwestern den Vater alleine sehen, dies lasse sie nicht zu. Klar und deutlich äußert sie, weder von der Mutter noch von Dritten beeinflusst zu sein; es handele sich um ihre eigene, persönliche Ansicht.
Von den ganzen Auseinandersetzungen der Eltern hat Anna seit langem genug, insbesondere auch davon, immer wieder mit in den Entscheidungsprozess durch Befragen/Anhören einbezogen zu werden. Dies äußerte sie zuletzt dem Unterzeichner gegenüber mit Telefonat vom 05.08.1999, nachdem ihr die Terminsiadung des Familiengerichts Freiburg zugegangen war. Sie versteht jedoch auch, dass eine gründliche Abklärung notwendig ist und dass sie als 14-Jährige eine eigene Rechtsstellung im Verfahren hat.
2. Maria Alteck. geb. am 14.03.1986
Maria besucht demnächst die 8. Klasse des Kreisgymnasiums Bad Krozingen und ist die mittlere der drei Schwestern. Ihre Hobbys sind Sport, insbesondere Fußball, sowie Theaterspielen.
Maria ist sachlich, drückt sich klar aus, ist nicht so spontan und emotional wie ihre ältere Schwester, jedoch auch nicht so zurückhaltend wie Yvonne, die jüngere Schwester.
Maria berichtet, den Vater in der Vergangenheit öfters gesehen zu haben, zuletzt einen Tag vor ihrem Geburtstag, wo er ungeplant mit einem Geschenk kam. Dass er einfach "nur so" gekommen war, fand sie nicht gut, hätte er angerufen, wäre dies anders gewesen. Ebensowenig findet sie es gut, dass der Vater dem Gericht ihren Brief vorgelegt hat. Sie fragt sich, was für einen Sinn dies mache. Im Moment will sie den Vater nicht sehen, dieser solle aufhören, ums Umgangsrecht zu klagen. Falls zwischen den Eltern eine Einigung erfolgt, könne sie sich - auf Nachfrage - durchaus vorstellen, entweder mit Frau Haack oder der Mutter und/oder denjenigen Schwestern, die dies wollen, den Vater auch alleine zu sehen. Sie pocht jedoch ausdrücklich darauf, dass dies geregelt sein müsse, verlässlich sein müsse und dass man sich darauf einrichten könne. All dies vorausgesetzt, könne sie sich durch den Kopf gehen lassen, den Vater regelmäßig zu sehen. Die Rolle von Frau Haack, mit der sie sich gut versteht, sieht Maria als "Aufpasserin" dafür, dass der Vater nichts mache, was die Schwestern nicht wollen und diese nicht mitnimmt (im Sinne einer Entführung).
Mit der Mutter verstehe sie sich gut, auch mit den Schwestern. Beeinflusst sei sie nicht, bei ihren Ansichten handele es sich um eigene Entscheidungen. Als Zukunftsvision kann Maria sich vorstellen, dass sie sich freuen würde und entlastet wäre, wenn die Eltern sich wieder vertragen würden, dann könne auch ihre Beziehung zum Vater besser sein.
3. Yvonne Alteck. geb. am 12.04.1988
Yvonne besuchte zum Zeitpunkt des Gesprächs die 4. Klasse der Grund- und Hauptschule Sonstwo, sie wird im neuen Schuljahr auf das Kreisgymnasium Bad Krozingen wechseln. Yvonne ist ein etwas schüchternes, stilles Mädchen, introvertiert und daher ein Gegenpol der extrovertierten Schwester Anna. Sie hat eine Freundin, mit der sie Probleme bespricht, als Hobbys gibt sie Kochen, Turnen und ein Pflegepony (gemeinsam mit Anna) an. Zu den ihr bekannten Problemen mag sie sich selbst nicht äußern, sie antwortet verhalten auf Fragen. Die Besuchswochenenden mit dem Vater und Frau Haack waren für sie in Ordnung, sie hat sich jedoch nicht gefreut, als der Vater vor kurzem kam. Dies deswegen, weil er nicht vorher Bescheid gegeben hat und man sich hierauf nicht verlassen kann. Im Moment möchte sie den Vater nicht sehen und zwar überhaupt nicht. Begründen kann sie diese Ansicht nicht, sie kann jedoch mitteilen, dass sie sich einfach so fühle, ihn nicht sehen zu wollen. Auch für den Fall, dass die Eltern sich einigen, hat Yvonne Probleme. Sie kann sich erst dann vorstellen, den Vater zu sehen, wenn zwischen den Eltern "alles klar" ist, aber noch nicht in nächster Zeit. Wenn, dann möchte sie ihn nicht alleine sehen, sondern mit der Mutter und den Schwestern.
IV. Gespräche mit Betreuungspersonen und Dritten
1. Gespräch mit Frau Ute Alteck
Frau Ute Alteck lebt derzeit mit ihren drei Töchtern und dem 5-jährigen Sohn Joscha zusammen, sie bezieht Sozialhilfe und Leistungen nach dem UVG. Von Beruf her Studienrätin (Biologie und Chemie) in Niedersachsen hat Frau Alteck sich nunmehr - neben ihrer Tätigkeit als Hausfrau und Mutter - vielseitig entwickelt, sie interessiert sich insbesondere für systemische Familientherapie und Kinesiologie. Zur Klärung der derzeitigen Problematik schlägt sie insoweit auch eine sogenannte Familienaufstellung nach Hellinger vor. Mit ihrem geschiedenen Mann habe sie derzeit keine Probleme mehr, der Umgang mit ihm sei von ihrer Seite her angstfrei und unkompliziert, weshalb sie ihn auch nach dem Skifahren zum Kaffee ins Haus gebeten habe. Herr Alteck begegne ihr jedoch eher fluchtartig, er geht ihr aus dem Weg. Vertrauensverluste und Grenzüberschreitungen des ehemaligen Mannes hätten dazu geführt, dass nunmehr ein Punkt erreicht sei, an dem alle nicht mehr können. Für den Abbruch der bisherigen Umgangsregelung macht sie Herrn Alteck verantwortlich, der nicht mehr bereit war, einerseits pünktlich und in voller Höhe Kindesunterhalt zu bezahlen und andererseits die Kosten des betreuten Umgangs zu übernehmen. Aus diesem Grunde biete sie auch an, selbst einmal im Monat einen Tag gemeinsam mit den Töchtern und dem Vater zu verbringen.
Frau Alteck geht davon aus, dass Anna vom Vater sexuell missbraucht wurde und auch selbst wisse, dass etwas gewesen sei. Anna könne die Dinge nunmehr auch selbst benennen, weshalb keine unbetreuten Besuche geduldet würden. Betreuten Umgang könne sie sich nur mit Frau Haack (unter der Bedingung, dass deren Kosten vom Vater übernommen werden) oder mit sich selbst vorstellen. Hierzu müssten jedoch unweigerlich folgende Grundvoraussetzungen abgeklärt sein:
- Regelmäßigkeit des Umgangs
- Betreuter Umgang mit Frau Alteck oder Frau Haack unter der Verpflichtung zur Zahlung seitens Herrn Alteck
- Umgangstermine ohne weitere Dritte (zum Beispiel Stiefsöhne)
- Höfliche und erlebnisbezogene Atmosphäre im Interesse der Kinder
- Unternehmungen nach Absprache mit dem Pkw des Herrn Alteck
- Umgangstermine einmal im Monat 10.00 - 17.00 Uhr nach Absprache.
Auf eine eventuelle PAS-Komponente angesprochen, äußert Frau Alteck, der diese Problematik aus wissenschaftlichen Publikationen heraus bekannt ist, dass eine solche schon deswegen nicht vorläge, da auch sie positiv den Umgang der Töchter mit dem Vater wünsche, allerdings nach den obigen Richtlinien.
Einen unbetreuten Umgang der Töchter - auch nicht der Töchter Maria und/oder Yvonne - befürwortete Frau Alteck nicht, im Gegenteil. Für sie kommt lediglich (siehe oben) ein betreuter Umgang in Frage. Hierbei nimmt sie nach eigener Ansicht in Kauf, dass der Vater öfters in Sonstwo auftaucht und dadurch weitere Probleme vorhersehbar sind aufgrund der Tatsache, dass Herr Alteck die Gesamtproblematik auch im Dorf durch seine Veröffentlichungen (Herausgabe des Buches "Missbrauch des Missbrauchs" unter Pseudonym) publik machte.
Auf die ablehnende Handlung Yvonnes angesprochen teilt Frau Alteck mit, dass diese zum Vater starke Distanz brauche und verspüre. Yvonne habe sich persönlich und schulisch sehr gewandelt und zwar von einer stillen Schülerin, die im Klassenverband untergegangen ist, in eine anerkannte Mitschülerin, die zwischenzeitlich Klassensprecherin wurde und eine Gymnasialempfehlung bekam.
Frau Alteck legt Wert darauf zu betonen, dass nicht sie den Kindern Vorgaben gibt, sondern dass diese ihren Weg selbst gehen und sie als Mutter ihnen auch den notwendigen begleiteten Freiraum zu geben hat, das eigene Leben ohne Beeinträchtigungen zu meistern.
Angesprochen darauf, weshalb die Problematik der elterlichen Sorge und des Umgangsrechts schon seit Jahren schwelt und ungelöst ist, meint Frau Alteck, dass bislang noch niemand es wagte, eine endgültige Entscheidung zu fällen. Das Jugendamt sei in Bezug auf das Thema "sexueller Missbrauch" bislang nicht ansprechbar gewesen, auch nicht die Gerichte.
2. Gespräch mit Herrn Thomas Alteck
Herr Alteck lebt derzeit in Kaltenengers, wo er als angestellter Prokurist in der Firma seiner Lebensgefährtin tätig ist. Im Gespräch mit dem Unterzeichner wird er als sachlich, positiv emotional, reflektierend, diskussionsbereit und natürlich erlebt.
Ausschlag dafür, einen neuen Umgangsrechtsstreit führen zu müssen, war für ihn die Tatsache, dass er "normalen Umgang" mit seinen Töchtern wünscht. Betreuter Umgang soll in der Zukunft schon deswegen nicht mehr stattfinden, weil die nunmehr auch selbst von Anna ausgesprochenen Vorwürfe sexuellen Missbrauchs unwahr und beschämend sind, er sich bei diesen Besuchskontakten nicht gut fühle und nicht einzusehen sei, dass für einen Besuchskontakt Geld gezahlt werden soll. Frau Haack zollt er höchstes Lob, gleichwohl will er die für ihn beklemmenden und extrem berührenden Situationen betreuten Umgangs vermeiden. Herr Alteck ist der Ansicht, er habe als Vater die bedauerliche Entwicklung nicht abwenden können und betreute Kontakte ertragen, solange die Töchter ein gewisses Alter noch nicht erreicht hatten. Derzeit seien zumindest Anna und Maria nicht mehr unselbstständig und daher alt genug, selbst zu entscheiden. Eine große Problematik sieht Herr Alteck darin, dass die
Kinder von der Mutter fremdgesteuert sind, dies jedoch kaum erkennbar ist und er dies auch nicht verhindern konnte. Insoweit spricht er selbst von Missbrauch, den die Mutter ausübte und noch ausübt. Nach seiner Ansicht ist eine PAS-Situation - zumindest in Bezug auf die Beeinflussung Annas durch die Mutter - in erheblichem Maße gegeben, die für Dritte nicht vorstellbar ist. Er hofft, dass insbesondere die Problematik des nicht erfolgten sexuellen Missbrauchs aufgearbeitet werden kann und die derzeitige Lebenssituation sich ändert. Diese empfindet er aufgrund der Vergangenheit als schicksalshaft und sieht sich wie eine "Hexe im Mittelalter". Die Länge der bisherigen gerichtlichen Auseinandersetzung bedauert er, rügt jedoch, dass bislang keine gerichtliche Instanz jemand anderen als die Parteien und die Kinder selbst angehört hat und dass noch keine klaren Worte bzw. Sanktionen gegen die offensichtliche Beeinflussung der Töchter (insbesondere Annas) durch die Mutter erfolgten.
Auf die Frage einer auch für ihn tragbaren Lösung der Problematik angesprochen, teilt Herr Alteck im Wissen, dass seine Töchter ihn derzeit nicht sehen wollen, Folgendes mit:
Einerseits tendiert er dahin, sich dem Wunsch der Kinder zu unterwerfen, auch wenn er weiß, dass dieser Wunsch subjektiv ist und nicht das tatsächliche Empfinden der Kinder ausdrückt. Dies deswegen, weil er nicht erleben will, dass die Kinder, wenn sie erwachsen sind, ihm in irgendeiner Form den Vorwurf machen können, warum er dies nicht alles verhindert habe. In der Hoffnung, dass mit fortgeschrittenem Alter und Entwicklungsstand der Töchter Abnabelungsprozesse von der Mutter erfolgen, kann er sich Beziehungsverbesserungen vorstellen, will die Töchter jedoch nicht in Loyalitätskonflikte drängen. Betreuten Umgang wünscht er aus den oben genannten Fakten heraus nicht mehr, wobei Frau Haack bislang als positivste Person, die verfahrene Lage zu entzerren, gesehen wurde. Frau Alteck sieht er als nicht nur fanatisch, sondern wahnhaft krank, sie lebe in ihrer eigenen Vorstellungswelt und arbeite emotional in "zerstörerischer und tödlicher Weise" gegen ihn. Die Persönlichkeitsstruktur der Mutter habe dazu geführt, Vater und Töchter zu entfremden, was er nicht habe verhindern, allenfalls für sich selbst aufarbeiten können (z. B. Publikation des Buchs). Aus diesen Gründen lehnt er auch eine Umgangsregelung unter Beteiligung der Mutter ab. Dies sei keine Alternative und habe keinen Wert, ein solcher Umgang sei schon deswegen befremdlich, weil Frau Alteck ihm jahrelang aus dem Weg ging, ihn als den "Bösen" darstellte und darstellt und heute so tut, als sei man seit Jahren die besten Freunde.
Familientherapeutische Maßnahmen, Mediation oder andere, nicht-juristische Konfliktlösungsmöglichkeiten lehnt Herr Alteck derzeit ab, da insoweit keine Vertrauensbasis mehr besteht und schon zum Zeitpunkt des Scheiterns der Beziehung genügend Vorstöße gemacht wurden.
Aus oben genannten Erwägungen heraus kann sich Herr Alteck allenfalls eine Vereinbarung des Wortlauts der Vater kann die Kinder sehen" vorstellen, denn gegen den Willen der Kinder kann und will er nicht handeln. Eine solche Vereinbarung würde den Kindern dann
signalisieren, dass der Vater "darf", sie jedoch selbst beurteilen können und müssen, ob sie (bzw. die Mutter) will oder nicht, ohne neuerlich das Gericht bemühen zu müssen. Unter der Prämisse einer solchen Vereinbarung könnte sich Herr Alteck sogar vorstellen, folgende Möglichkeit in Erwägung zu ziehen: "Ich möchte es zwar gerne anders, aber die Kinder möchten Frau Haack dabei haben. Also machen wir die Kontakte in deren Beisein, solange die Kinder dieses wollen."
Auf die Möglichkeit angesprochen, dass dem Gericht die Möglichkeit zusteht, ein psychologisches Gutachten insbesondere zur PAS-Problematik und zur Glaubwürdigkeit des subjektiven Vorwurfs Annas eines sexuellen Missbrauchs erstellen zu lassen, reagiert Herr Alteck zunächst abwehrend, da er hierin eine zu frühe weitere Belastung der Töchter sieht. Diese seien wohl derzeit zu stark involviert, weshalb der Effekt eines Gutachtens eher negativ sei. Die Beziehung der Töchter zur Mutter könnte belastet und gestört werden, weshalb neue Loyalitätskonflikte auftreten.
Nach einmonatiger Überlegungsfrist teilt Herr Alteck dem Unterzeichner - nach Erhalt der Stellungnahme des Jugendamts - jedoch mit, dass er nach reiflicher Überlegung zu dem Schluss gekommen sei, ein Gutachten im obigen Sinne zu befürworten und dies dem Gericht vorzuschlagen. Trotz neuerlich daraus entstehender Probleme und Belastungen ist er nun der Ansicht, das Thema und den Vorwurf "sexueller Missbrauch" endgültig vom Tisch haben zu wollen. Allerdings äußert er auch Angst vor den Zeiten danach und stellt die Frage, wie die Töchter mit der Mutter zusammen leben können, wenn ein Gutachten die negative Einflussnahme der Mutter positiv attestiert.
3. Gespräch mit Frau Maier, Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald Sozialer Dienst
Frau Maier hatte zum Zeitpunkt des Gesprächs Frau Alteck und die Töchter in Sonstwo besucht, mit Herrn Alteck hatte sie persönlich gesprochen.
Zwischenzeitlich erfolgte eine schriftliche Stellungnahme vom 19.07.1999, die sich in den Gerichtsakten befindet. Hierauf wird verwiesen.
Frau Maier berichtete von ihren Gesprächen, die sich vom Inhalt weithin mit denjenigen des Unterzeichners deckten. Fragen des weiteren Vorgehens wurden erörtert, insbesondere diejenige, ob ein Gutachten empfohlen werden soll oder nicht. Begleiteter Umgang wurde zum Zeitpunkt des Gesprächs von Herm Alteck abgelehnt, weshalb aufgrund der Weigerung der Töchter, den Vater ohne Begleitung zu sehen, zwar Möglichkeiten diskutiert werden konnten, jedoch kein gemeinsamer Lösungsvorschlag sich ergab. Angerissen wurde die Frage, ob das Sozialamt gegebenenfalls bei weiterhin betreutem Umgang durch Frau Haack deren Kosten ganz oder teilweise übernehmen könne und solle.
4. Gespräch mit Frau Ute Haack
Frau Haack hat Töchter und Vater - insbesondere aufgrund des Beschlusses des Familiengerichts Freiburg vom 12.03.1996 - einige Male begleitet und wäre bereit, diese Aufgabe auch weiterhin zu übernehmen.
Herrn Alteck hat sie während dieser Umgangskontakte neutral und sachlich erlebt, er habe vor den Kindern nie abwertend über Frau Alteck gesprochen. Im Umgang mit den Töchtern sei er achtsam, aufmerksam, liebevoll, natürlich und "nicht aufgesetzt" gewesen.
Sie ist der Ansicht, dass eine zukunftsbezogene Lösung der Gesamtproblematik notwendig scheint, wobei die gesamte Vergangenheit und wechselseitige Leidensgeschichte durch eine Fokus-Verlagerung ausgeblendet bzw. aufgeweicht werden sollte. Als Therapeutin und Heilpädagogin sieht sie Möglichkeiten, auch neben einer Begutachtung, die sie nicht ablehnt, Möglichkeiten einer Aufweichung der Fronten durch Fokus-Verlagerung durchführen zu können. Sie befürwortet hier insbesondere auch eine ca. 10 bis 12 Stunden dauernde Feldenkrais-Therapie mit Anna, zu der sie ein positives Verhältnis hat.
Im Sinne einer zukunftsbezogenen Fokussierung kann sich Frau Haack vorstellen, dass bei allen Beteiligten - auch den Eltern - ein Aufbrechen und Abklären der derzeitigen Standpunkte im Sinne einer positiven Gesamtlösung eintreten kann. Dies insbesondere vor dem Hintergrund, dass sie selbst subjektiv nie zwanghafte Situationen zwischen den Töchtern und dem Vater erlebt hat und auch selbst bislang anlässlich der Besuchskontakte keinerlei "Bild des Vorwurfs des sexuellen Missbrauch" bekam.
V. Dokumentation des Kindeswillens
Anna, Maria und Yvonne wollen ihren Vater derzeit nur im Beisein einer vertrauten Person sehen, wenn überhaupt. Als vertraute Personen kommen nach Ansicht der Mädchen nur Frau Haack und die Mutter in Betracht. Regelmäßiger Kontakt wird derzeit von keinem der Mädchen gesucht, auch nicht gewünscht. Altersgemäß begründen Anna und Maria jeweils ihre Ansicht und ihren Willen, den Vater nicht sehen zu wollen. Yvonne kann ihren Willen nicht begründen, sie "fühlt" einfach, den Vater nicht sehen zu wollen.
Anna will bei einem eventuellen Umgang der Schwestern mit dem Vater dabei sein, um diese zu schützen. Maria äußert als Einzige, dann Kontakt mit dem Vater haben zu wollen, wenn eine Einigung zwischen den Eltern erfolgt ist und verlässliche Regelungen, auf die man sich einrichten kann, vorliegen. Ähnlich äußert sich Yvonne, die sich dies jedoch nicht "in nächster Zeit" vorstellen kann.
Dem Kindeswillen der drei Schwestern ist unisono zu entnehmen, dass die derzeitige Situation "nervt", nicht zufriedenstellend ist und als äußerst belastend und negativ empfunden wird. Dies wird klar geäußert, wobei geringe Hoffnung mitschwingt, dass die Eltern doch noch irgendwann zu einer Einigung kommen, den Druck von den Kindern zu nehmen.
Alle Töchter wünschen eine baldige Beendigung, insbesondere auch eine Entlastung. Diese müsste ihrem Wunsch nach so aussehen, dass künftighin niemandem mehr Rede und Antwort zu stehen ist, insbesondere auch nicht im Rahmen laufender Gerichtverfahren. Anna fühlt sich hierdurch sehr belastet und genervt, dies regt sie auf, was sie dem Unterzeichner ausdrücklich nach Erhalt der familiengerichtlichen Ladung zum Ausdruck gebracht hat.
Auf Nachfrage äußern alle drei Töchter, insbesondere Anna, mit Abstufungen dann Maria und Yvonne, von der Mutter nicht beeinflusst zu sein und selbst verantwortet zu handeln und zu sprechen.
VI. Schlussfolgerungen und Empfehlungen
Wie eingangs beschrieben, ist der Verfahrenspfleger als Anwalt des Kindes zunächst Sprachrohr.
Im Rahmen dieser Funktion obliegt es ihm, darauf hinzuweisen, dass nach jahrelangen Rechtsstreiten und damit verbundenen Belastungen sämtlicher Verfahrensbeteiligten, insbesondere auch der Kinder, eine baldige klare Lösung zu konzipieren ist. Die Möglichkeit hierzu bietet der auf den 05. Oktober 1999 anberaumte Termin zur mündlichen Verhandlung, bei dem alle Beteiligten zugegen sein sollten. Es wird angeregt, falls noch nicht erfolgt, auch das Jugendamt zu laden.
In begründeten Ausnahmefällen soll der Verfahrenspfleger als Anwalt des Kindes auch objektive Empfehlungen und Schlussfolgerungen aus fachlicher Sicht abgeben, die nicht unbedingt den Willensäußerungen und dem Willen der Kinder oder Jugendlichen entsprechen, jedoch dem Kindeswohl dienen. Der Spagat zwischen den beiden aufgezeigten notwendigen Aufgaben ist vorliegend mehr als schwierig, was angesichts der bislang vorliegenden Akte auch nicht verwunderlich ist.
Einerseits muss es - wie das Jugendamt richtig ausführt - Anna, Maria und Yvonne selbst überlassen bleiben, ob ein Besuchskontakt mit dem Vater gewollt ist oder nicht, egal aufgrund welcher Motivation.
Andererseits ist jedoch auszuloten, inwieweit gerichtsseits notwendige und eventuell erforderliche Maßnahmen (zum Beispiel Glaubwürdigkeitsgutachten, Gutachten zur Frage einer PAS oder PAS-ähnlichen Problematik) nachgegangen werden muss, falls - wie hier - diametral entgegengesetzte Standpunkte, hervorgerufen durch wechselseitige Vorwürfe, bestehen. Dies insbesondere dann, wenn diese Vorwürfe auch von Kindern - hier: Anna - geäußert und als erlebt beschrieben werden.
Frau Alteck (bisher und weiterhin) und nunmehr auch die Tochter Anna bezichtigen Herrn Alteck subjektiv des sexuellen Kindesmissbrauchs, weshalb, wenn überhaupt, nur ein betreutes Umgangsrecht in Frage zu kommen hat. Herr Alteck bezichtigt Frau Alteck ebenfalls des Kindesmissbrauchs, nicht als Gewalttat, sondern als subtile Handlung, die Töchter nicht in kindgerechter Weise und nicht altersgerecht mit Fragen der Sexualität konfrontiert zu haben, den Vater emotional in "zerstörerischer und tödlicher Weise" zu entfremden und somit auch über psychischen Missbrauch die derzeitige konträre Situation geschaffen zu haben. Diese Loyalitätskonflikte spiegeln sich einerseits bei Anna, andererseits auch - in mittelbarer Betroffenheit - bei Maria und Yvonne wieder.
Um die aufgezeigte Problematik zu entzerren und gegebenenfalls einer ursächlichen Lösung zuzuführen, stellt sich nunmehr folgende Frage, die gerichtsseits zu diskutieren und abzuklären ist:
a) Wird über einen zu findenden Kompromiss betreuter Umgang vereinbart oder der Antrag des Kindesvaters zurückgewiesen oder
b) wird versucht, im Wege einer Begutachtung endgültig eine Abklärung der Ursachen in die Wege geleitet.
Unabhängig hiervon stellt sich die Frage, ob notwendige therapeutische Maßnahmen durchzuführen sind, selbstverständlich freiwillig, wie von Frau Haack angeregt.
Bei der notwendigen Abwägung hat das Gericht auch den Wunsch und den Willen der Töchter, ihren Vater im Rahmen des gewünschten Antrags nicht sehen zu wollen, zu beachten, aber auch kritisch zu hinterfragen.
Im Sinne der obigen Ausführungen ist sämtlichen Beteiligten zu wünschen, eine einvernehmliche Lösung finden zu können. Dieser Wunsch ist jedoch derzeit unrealistisch, weshalb auch die bloße Vereinbarung eines betreuten Umgangs nicht als Allheilmittel gesehen werden kann. Ich verweise hier auf Salzgeber "Gedanken eines psychologischen Sachverständigen
zum begleiteten Umgang des Kindes mit einem Elternteil" in FamRZ 1999 Seiten 957 ff. (in Anlage).
Aufgrund des Erforderlichkeitsgrundsatzes kommt ein Umgangsrechtausschluss nur dann in Betracht, wenn ein begleiteter Umgang nicht ausreicht, um das Wohl des Kindes zu gewährleisten (BT-Drs. 13/4899, 106).
Das Bundesverfassungsgericht und der BGH haben bereits bislang strenge Anforderungen an den Ausschluss des Umgangsrechts gestellt, ein gravierender Eingriff des Familiengerichts Freiburg in das Vaterrecht ist nach der Neufassung des § 1684 IV BGB nur dann möglich, wenn andererseits das Kindeswohl gefährdet wäre. Die notwendige Eingriffsschwelle, die unterhalb derjenigen des § 1666 BGB liegt, ist wohl dann gegeben, wenn nachvollziehbare, das Kindeswohl nachhaltig berührende Gründe vorliegen, die befürchten lassen, dass sich das Kind ohne Einschränkung oder vorübergehenden Ausschluss des Umgangs ungünstig entwickeln könnte (Fröhlich, "Zur Bedeutung des Umgangs des Kindes mit beiden Eltern und anderen wichtigen Personen für das Kindeswohl" in FPR 1999, Seiten 200 - 202, mit weiteren Nachweisen). Nach Ansicht Fröhlichs schafft das Gesetz ein Regel-/Ausnahmeverhältnis wie folgt: Der zum Kindeswohl zählende Umgang ist die Regel; Ausschluss und Beschränkung des Umgangs wollen besonders gerechtfertigt sein. Diese Rechtfertigung setzt jedoch Kindeswohlgefährdung im Sinne des § 16941V BGB n. F. voraus.
Vorliegend ist gerichtsseits abzuprüfen, ob eine solche "Kindesgefährdung" vorliegt oder nicht, weshalb für den Fall, dass keine einvernehmliche bzw. freiwillige Vereinbarung in die Wege geleitet werden kann, nach Ansicht des Unterzeichners folgende Gutachten einzuholen sind:
-Glaubwürdigkeitsgutachten Anna
-Gutachten bezüglich der Ursachen der Kontaktverweigerung durch die Töchter im Zusammenhang mit PAS oder jenseits PAS sowie über Fragen deren Behebung.
Zur derzeitigen Diskussion über Gutachten zur Glaubwürdigkeit verweise ich auf einen Artikel in der "Badischen Zeitung" vom 30.07.1999 (in Kopie anbei), zur Frage des begleiteten Umgangs auf den Beitrag von Dr. Walter "Begleiteter Umgang (~ 1684 IV BGB) - Erfahrungen, Konzeptionen, Praxismodelle und neue Möglichkeiten" in FPR 1999, 204 ff.
Zur Problematik "Kontaktabbruch" verweise ich auf Salzgeber u. a. "Umgangsprobleme -
Ursachen des Kontaktabbruchs durch das Kind jenseits des Parental Alienation Syndrome" in Kind-Prax 4/99 Seiten 107 ff. (Kopien anbei).
Im Interesse der Töchter soll eine befriedigende und rasche Lösung gefunden werden, die auch eine Ursachenlösung beinhaltet. Angesichts der bisherigen Dauer der elterlichen Auseinandersetzungen und der hiermit verbundenen objektiven Belastung der Töchte sollte im Termin zur mündlichen Verhandlung eine alle Beteiligten zufriedenstellende Lösung gefunden werden. Falls dies nicht möglich ist, wovon ausgegangen wird, ist das Verfahren noch nicht entscheidungsreif.
Es müsste dann zumindest eine vorläufige Regelung im Rahmen eines regelmäßigen begleiteten Umgangs mit Frau Haack getroffen werden, an der sich die Eltern finanziell hälftig beteiligen sollen (wobei zu fragen ist, inwieweit das Sozialamt die der Mutter entstehenden Kosten übernehmen kann oder nicht). Ein betreuter Umgang mit der Mutter ist aus Sicht des Unterzeichners abzulehnen, da keine allgemeine Akzeptanz besteht. Frau Haack wird allseits als Vertrauensperson anerkannt und kann daher im Sinne einer neutralen Dritten vermittelnd und ausgleichend agieren.
Gleichzeitig ist im Termin zur mündlichen Verhandlung darüber zu diskutieren, ob und inwieweit eines der oben genannten Gutachten / oder beide einzuholen sind und durch wen diese Gutachten zu erstellen sind. Im Interesse der Töchter, insbesondere Annas, wäre es notwendig, Gutachten ohne weitere zeitliche Verzögerung erstellen zu lassen und gleichzeitig abzuklären, welche notwendigen Förderungsmaßnahmen in die Wege zu leiten sind.
Für den Fall, dass das Familiengericht Freiburg ein Gutachten zur Frage, ob PAS vorliegt oder nicht, anzuordnen gedenkt, wird vorgeschlagen, als Gutachterin Frau
Diplom-Psychologin Ursula Kodjoe, Bürgle 34, 79294 Sölden
zu beauftragen. Frau Kodjoe hat sich in den letzten Jahren intensiv mit PAS beschäftigt und zahlreiche Beiträge in Fachzeitschriften veröffentlicht. Sie lebt in Sölden, mithin in unmittelbarer Nähe der Kinder. Dem Unterzeichner ist bekannt, dass derzeit ein Gutachterstreit zu Fragen der Ursachen des Kontaktabbruchs, inbesondere zu PAS besteht, dieser kann in einschlägigen Fachzeitschriften (Kind-Prax, FPR, FamRZ) verfolgt werden. Frau Kodjoe als Nestorin des Syndroms für Deutschland hat Kriterien zur Früherkennung von PAS aufgestellt und Möglichkeiten psychologischer und rechtlicher Interventionen beschrieben, wobei ich auf den Beitrag Kodjoe/Köppel "Früherkennung von PAS - Möglichkeiten psychologischer und rechtlicher Interventionien" in Kind-Prax 1998, 138 ff verweise. Kritisch setzten sich Salzgeber/Stadler in ihrem Beitrag "Beziehung kontra Erziehung - Kritische Anmerkungen zur aktuellen Rezeption von PAS" mit den Thesen Kodjoe/Köppel auseinander (Kind-Prax 1998 Seiten 167 ff). Eine Fallgeschichte wurde von Frau Kodjoe veröffentlicht zur Verdeutlichung der PAS-Konzequenzen und zum Aufzeigen von Lösungsmöglichkeiten in Kind-Prax 1998, Seiten 172 ff.
Für den Fall, dass eine Begutachtung unerlässlich ist, ist davon auszugehen, dass die vorgeschlagene Gutachterin Symptome, Konsequenzen und Lösungsmöglichkeiten aufzeigen kann.
Im Interesse des Kindeswohls soll genau überdacht werden,
- ob Gutachten einzuholen sind und
- ob alle drei Schwestern integriert werden sollen/müssen.
Ein Glaubwürdigkeitsgutachten beträfe nach Ansicht des Unterzeichners nur Anna, ein Gutachten zur Abklärung der Ursachen des Kontaktsabbruchs vordergründig ebenfalls. Gerade Anna wehrt sich jedoch ausdrücklich und entschieden gegen weitere Gespräche, Explorationen und Weiterungen. Die Familienrichterin sollte die anstehende Problematik daher mit Anna alleine besprechen und sie zur Frage der Gesamtproblematik hören.
Letztlich bleibt für den Unterzeichner die Frage, ob angesichts der derzeitigen Situation und des Streitpotentials, verbunden mit Einflüssen, die bereits auf den Töchtern lasten, eine "schnelle Einigung", die lediglich symptombekämpfend und nicht ursachenforschend ist, eine positive Lösung der Problematik der Kinder, insbesondere Annas, darstellt oder ob eine eventuell langwierige Begutachtung nebst Ursachenerkennung und -lösung notwendig erscheint. Diese Frage kann der Unterzeichner nicht beantworten, da er nicht über die notwendige Fachkompetenz verfügt. Vorstellbar ist jedoch eine zunächst vorläufige Lösung der Symptomatik, verbunden mit einer umgehenden Einleitung der Ursachenerkennung als Schritt zu einer weiteren, individuellen Aufarbeitung.
Als Verfahrenspfleger appelliere ich an alle Beteiligten, im Interesse von Anna, Maria und Yvonne einen möglichst zügigen Verfahrensablauf zu gewährleisten und verfahrensleitende Verfügungen, Anordnungen und Beweisbeschlüsse umgehend umzusetzen bzw. hieran mitzuwirken.
Volker Oesterle
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Ulrike Haack
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Betr. Betreutes Umgangsrecht der Kinder
Maria und Yvonne mit dem Vater Thomas
Als gemeinsamer Treffpunkt - vierwöchentlich - wurde das 'Waldrestaurant' in Freiburg ausgewählt. Die Kinder wurden von Frau Alteck gebracht und nach kurzer Begrüßung Herrn Alteck und mir übergeben. Die erste Begegnung nach 4 Wochen - wurde sehr behutsam eingeleitet.
Nachdem die Kinder sich in die Situation eingefunden hatten, war ein fröhliches und lebendiges Erzählen von Schule, Freunden und Vorlieben etc. zu beobachten. Herr Alteck zeigte sich in diesen Momenten sehr gerührt und sehr präsent. Die Art und Weise, wie diese Nachmittage gestaltet wurden, war sehr unterschiedlich; eine Bootsfahrt, ein Nachmittag im Eisstadion, Stadtbummel, ein Spielenachmittag.
Bei den Spaziergängen wurde deutlich, wie nah die Kinder dem Vater sein wollten. Sie nahmen seine Hände oder wollten Huckepack getragen werden, es wurde still und manchmal sehr wild miteinander umgegangen. Im "normales" Umgehen von Vater und Kindern sehr natürlich.
Bei all diesen Treffen kam sehr deutlich die große Freude und Vertrautheit untereinander zum Ausdruck.
Ulrike Haack